Epilog
auf die 11. Fuhlsbüttler Filmtage
2003

Filmtage-Werbung am alten Bad-Eingang


Bild oben:
Filmtage-Werbung am Vorbau des "Grünen Saals" im alten Bad-Eingangsgebäude in Ohlsdorf
Nun sind die 11. Fuhlsbüttler Filmtage Geschichte. 
Am ersten Filmtag entschied der Veranstalter (die Willi-Bredel-Gesellschaft), statt des angekündigten Langfilms "Im Feuer bestanden", der die Kämpfe um die Moneda während des Putsches 1973 zum Gegenstand hat, einen anderen Dokumentarfilm vorzuführen, der vor allem wegen der Parallelen zu politischen Ereignissen und Putschen in Lateinamerika aktuell bleibt: "El golpe blanco/ Der weiße Putsch", ebenfalls eine H&S-Produktion (1975, 82 min). Der Streifen dokumentiert die Einflussnahme der USA bzw. der CIA auf die chilenischen Wahlen im Frühjahr 1973 (aus denen Allendes UP als Siegerin hervorging) bis hin zum letzten Mittel, das der Reaktion und ihren US-Hintermännern blieb: dem militärischen Putsch im September 1973. Die Destabilisierung des Landes durch die Unternehmer (Lastwagenstreik; Nahrungsmittelhortung) und die CIA-finanzierten Verunsicherungskampagnen fanden und finden sich später auch in Nikaragua und heute in Venezuela wieder. 
Bild unten:
"El golpe blanco/ Der weiße Putsch"
Deutsches Filmplakat
des Progress-Filmverleih

70er Jahre
CIA-gesteuerte Putsche durchzieht die Geschichte Lateinamerikas von 1954 in Guatemala bis hin zur offenen militärischen Intervention in Grenada 1983. Deshalb war den Organisatoren der Film "El golpe blanco" so wichtig. Der Begriff "El golpe blanco" (der weiße Putsch) meint den mit legalistischen Mitteln angestrebten Regierungswechsel durch die Christdemokraten unter Eduardo Frei, also die Wahlen im Frühjahr 1973. 
Plakat "El golpe blanco"
Cesar Gonzalez zeigt einige Plakate aus seiner Sammlung Am 2. Filmtag musste der geplante Kurzfilm "Mitbürger" (mit Allendes letzte Rundfunkansprache) ausfallen. Das war vor allem der Hektik geschuldet, ausgelöst durch mangelnde Einübung der ganzen Logistik. Wettgemacht wurden die Pannen durch das große Engagement unserer Helfer und Gäste. Ganz besonders gedankt sei an dieser Stelle Cesar Gonzalez, der nicht nur durch seine Erinnerungen an die Jahre vor und nach dem Putsch in Chile brillierte, als er in einem Lastwagenwerk arbeitete, wo tagtäglich die von der Reaktion zerschossenen Autos jener mutigen LKW-Besitzer und -Fahrer eingeliefert wurden, die sich dem Unternehmerstreik nicht anschließen wollten. Auch bereicherte er die zweite Veranstaltung durch seine Sammlung von Chile-Plakaten (siehe Foto links). Bild unten:
Eduardo: Es gab auch nach den jüngsten demokratischen Wahlen im Dezember 2001 keine Aufklärung der Verbrechen der Pinochet-Junta
Bild oben:
Cesar Gonzalez präsentiert einige Exemplare aus seiner Sammlung von Chile-Plakaten



Bild unten:
Jürgen Haase, Geschäftsführer des Progress Filmverleih, informiert über die Aufgaben des einstigen DDR-Verleihs heute 
Sein Freund Eduardo, ebenfalls ein in Hamburg lebender Chilene und Gewerkschafter, machte in seinen Ausführungen klar, dass es bis heute keine radikale Aufklärung der Ereignisse 1973 gegeben hat, geschweige denn eine Bestrafung der Täter. Noch heute sei wegen der Vertuschungstaktik der Militärs die genaue Zahl der Eingekerkerten unklar, obwohl es Listen darüber gegeben hat. Noch heute, nach den demokratischen Wahlen, säßen viele Linke von damals in Haft.  Eduardo
Jürgen Haase Insgesamt sind wir mit den Filmtagen sehr zufrieden. Die Stimmung war gut, der Saal an beiden Tagen voll besetzt und die Filme von Heynowski & Scheumann äußerst sehenswert. Bleibt zu danken unseren Gästen Cesar und Eduardo sowie Prof. Jürgen Haase vom Progress-Filmverleih, der uns am 2. Filmtag Rede und Antwort stand, und dem Weinhändler Patricio Oliva. An beiden Tagen wurde der Wunsch nach Aufführung weiterer H&S-Filme laut, insb. nach den Klassikern "Der lachende Mann", "Der Mann im Exil" und "Piloten im Pyjama". Dieser Wunsch nach mehr H&S-Produkt(ion)en spiegelt die Neugier auf Geschichte wider, auch auf die Geschichte der Bundesrepublik, dokumentiert durch die Augen der wohl cleversten Dokumentarfilmer, die die DDR hervorgebracht hat. 












alle Fotos (außer Plakat):
Senenko
Und nächstes Jahr?
Die 12. Fuhlsbüttler Filmtage werden am 4. und 5. November 2004 stattfinden und sich voraussichtlich dem deutschen Kolonialismus in Afrika zuwenden.  

Bis dahin Tschüss!
René Senenko vom Org-Team der Fuhlsbüttler Filmtage

               

                    

t o p

 



11. Fuhlsbüttler Filmtage
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Veranstaltungsort:
Grüner Saal
Im Grünen Grunde 1
22337 Hamburg
direkt am U-/S-Bahnhof Ohlsdorf
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