Epilog
auf die 12. Fuhlsbüttler Filmtage
2004

klick !

Filmtage-Werbung am Vorbau des "Grünen Saals" im alten Bad-Eingangsgebäude in Ohlsdorf.
Zum Zoomen anklicken!
Erster Filmtag. 
Die Vorführung des Kolonialfilms "Carl Peters" aus dem Jahr 1941 fand ein reifes Publikum vor. Das Gelächter gegen Ende des Films über den kaum zu übertreffenden Pathos in der Finalszene belegte das. Hans Albers, ermuntert von seiner plötzlich auftauchenden Mutter, entwirft in seinem abschließenden, "anrührenden" Monolog das Selbstbild eines Superhelden, der sich nur für eines zu opfern bereit findet: für Deutschland, allen Widrigkeiten zum Trotz. "Armes Deutschland, du kannst dir ja selbst nicht helfen!" so sein deprimierendes Urteil mit Blick auf den Reichstag, vor dessen Volksvertretern sich der Held - eine Szene vorher - zu verantworten hatte.  
Jonas B. Billy vor dem Askari-Denkmal
Plakette in der ehem. Lettow-Vorbeck-Kaserne (Foto Biehl)
Falscher Mythos.
Medaillon für Paul v. Lettow-Vorbeck
als Fassadenschmuck in der ehem. Lettow-Vorbeck-Kaserne Jenfeld
Ob die Charakterisierung dieses Films als eine Art Hollywoodschinken oder Western, wie es einige Zuschauer in der Diskussion taten, diesem von Göbbels absichtsvoll inszenierten Streifen gerecht wird, ist fraglich. Göbbels wollte keineswegs den Individualismus eines Revolverhelden vermittelt wissen, der - "einer gegen alle" - sich zu behaupten trachtet. Sondern seine Botschaft ging über die des Westerngenres hinaus: Auch wenn ein Carl Peters vorläufig scheitern musste, wir heute (1941) sind seine Erben und werden Deutschland wieder jene Weltgeltung verschaffen, wofür der Visionär Peters gekämpft hat. Man vergesse nicht: Als der Film 1941 in die Kinos kam, überfiel Hitlerdeutschland die Sowjetunion. 
Foto oben:
Tansaniapark in Jenfeld. 
Jonas B. Billy vor dem linken Flügel des Askari-Denkmals. Das zweiteilige Werk wurde 1938 vom Dachauer Bildhauer Walter v. Ruckteschell geschaffen und ein Jahr später vor der Kommandatur in der Lettow-Vorbeck-Kaserne aufgestellt.



Jonas Bakoübayi Billy
Martin Baer in der Diskussion am 2. Filmtag

Der Filmemacher aus Berlin: 
Martin Baer, der Regisseur von "Eine Kopfjagd" in der Gesprächsrunde am 2. Filmtag
Zweiter Filmtag. 
Konnte die im Film überhöhte Rolle Carl Peters' am ersten Filmtag aus Zeitgründen in der Diskussion nur ansatzweise widerlegt werden, so holte das am 2. Filmtag der Dokumentarfilm "Eine Kopfjagd" von Martin Baer aus dem Jahr 2001 in überzeugender Weise nach. Aber nicht nur Peters' unmenschliche Kolonialmethoden legte die Dokumentation offen, sondern sie bot gewissermaßen besten Unterricht in Sachen deutsche Kolonialgeschichte in Afrika überhaupt. Über die eigentliche Story des Films haben wir auf anderen Seiten hier schon berichtet. 
Foto oben:
Der Archivar aus Togo: Jonas Bakoubayi Billy erfasste erstmals systematisch die Reichskolonialakten im Bundesarchiv Berlin.




 
Der Hamburger Dr. Benjamin Leunmi spricht über seine Heimat Kamerun
Jonas B. Billy aus Togo vor der Togo-Gedenkplatte

Tansaniapark. Jonas B. Billy aus Togo vor der Togo-Platte am kolonialistischen Schutztruppen-Ehrenmal.
Die sich anschließende Gesprächsrunde mit dem togolesischen Archivar Jonas B. Billy, dem in Hamburg lebenden Kameruner Dr. Benjamin Leunmi und mit dem Filmregisseur Martin Baer aus Berlin war so anregend und spannend, dass die Besucher darüber ihre Fragen zu vergessen schienen. Das war dem glücklichen Umstand zu danken, dass Martin Baer mit seiner detaillierten Kenntnis der deutschen Kolonialgeschichte immer wieder Stichworte für Dr. Leunmi und Jonas B. Billy lieferte, die beide über die Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonien Togo und Kamerun anschaulich zu berichten wussten. Sie gaben Geschichten und Episoden zum besten, die zum Nachdenken anregten. So hat, wie Jonas B. Billy berichtete, ein deutscher Kolonialbeamter in Togo eine rassistisch motivierte Erklärung zur Frage propagiert, warum die Bewohner Afrikas so unpünktlich seien. Er entwickelte die Ansicht, dass die "Neger" nach den zumeist kalten Nächten erst bei 17 °C ihre Behausungen verlassen. Wenn man sie also einkleidete, dann könnte man sie auch zu einer pünktlichen Arbeit heranziehen.  Foto oben: 
In Kamerun geboren: Der Hamburger Dr. Benjamin Leunmi spricht über die durch "internationale Verhandlungen" abgesicherte Aufteilung Afrikas durch die Kolonialmächte.






Auf Bismarcks Land: Kolonialdenkmal (Foto Mundt)
Das eigene Gegendenkmal: Die lädierte Wissmann-Statue an den Landungsbrücken

D
as eigene Gegendenkmal:
Seit Spätherbst 2004 steht das lädierte Wissmann-Standbild mit servilem Askari an den Landungsbrücken
Noch ein Wort zur Organisation. Das neue Zeitkonzept hat sich bewährt. Die Vorverlegung des Veranstaltungsbeginns auf 19 Uhr hat uns nicht nur an beiden Filmtagen einen vollen Saal beschert, sondern auch mehr Zeit für die Gesprächsrunden nach der Filmvorführung gelassen. 

Nachsatz: An dem Sonnabend, der den Filmtagen folgte, suchten wir mit unseren Gästen einige Kolonialdenkmäler in Hamburg und Umgebung auf: Den umstrittenen Tansaniapark mit dem Askari-Denkmal aus dem Jahr 1939, die benachbarte ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaserne mit dem restaurierten Fassadenschmuck in Kolonialtradition, das lädierte Wissmann-Standbild an den Landungsbrücken und schließlich das Deutsch-Ostafrika-Ehrenmal von 1955 (!) auf dem Gelände der Bismarck-Familie in Aumühle. Letzteres verließen wir nicht unkommentiert: "Kolonialdenkmäler ab ins Lapidarium" heißt es auf dem von uns hinterlassenem Denk(mals)zettel. Was ein Lapidarium ist? Eine Steinsammlung!

Das Filmtage-Team um Michael Schöpzinsky, Holger Tilicki und René Senenko dankt abschließend Heinz Biehl für seine tollen Fotos, mit denen wir unsere Saalwände schmücken durften, Frank Lünzmann für seine Fahrtdienste und dem Grünen Saal e.V. für die gute Zusammenarbeit. 
Foto oben: 
Heia Safari! Fantasie in Muschelkalk, eingeweiht 1955 noch ganz im Geiste der Kolonialzeit. Geschaffen hat dieses Werk derselbe Künstler, von dem auch das Askari-Denkmal im Tansaniapark stammt: Walter von Ruckteschell. Der plastische Kitsch steht in Aumühle. 


Denk(mals)zettel

Auf dem Oberschenkel des edlen Kolonialkriegers zu Aumühle: Ein Denk(mals)zettel zum Abschied. 


Tschüss bis zu den nächsten Filmtagen im November 2005!
René vom Team der Fuhlsbüttler Filmtage


Abbildungsnachweis:
Foto Lettow-Vorbeck-Plakette (Bildausschnitt): Heinz Biehl
Foto Deutsch-Ostafrika-Denkmal in Aumühle: Angelika Mundt

Übrige Fotos: René Senenko

               

                    

t o p

 



12. Fuhlsbüttler Filmtage
Programm - Gäste - Literatur - Plakate - Hintergründe - Logos - Kontakt
Veranstaltungsort:
Grüner Saal
Im Grünen Grunde 1
22337 Hamburg
direkt am U-/S-Bahnhof Ohlsdorf
Kontakt zum Org-Team der Filmtage
und zur Redaktion dieser Seite


zurück zur Hauptseite