Programm
der 15. Fuhlsbüttler Filmtage
2007

 

Do.  22. November
19 Uhr

Einlass 18:30 Uhr
Eintritt 4 €
WBG-Mitglieder 3 €
Beide Abende 5 €

Anwesend werden u.a. die Zeitzeuginnen Erna Meyer, Ulla Suhling und der Filmemacher Rainer Korsen sein. Außerdem stellen wir Fotos von der Demo 1983 zum KolaFu-Torhaus aus.


Helmuth Warnke
(1908-2003)
Foto/Grafik:
 Heinz Biehl, ca. 2000


Der Leidensweg durch KolaFu. Die Geschichte des Konzentrationslagers Fuhlsbüttel
Dokumentarfilm von Helmuth Warnke und Stadtjournal 1984 

Helmuth Warnke (1908–2003) wurde zusammen mit seinem Vater als KPD-Mitglied bereits 1933 ins KZ Wittmoor eingeliefert, kam später jedoch in eine der berüchtigsten Folterstätten Deutschlands, in das KZ Fuhlsbüttel. 

Mehr als fünfzig Jahre später erzählte Warnke den jungen Filmemachern Rainer Korsen, Jörg Altekruse, Gabriele Oberstenfeld-Walz und Walter Uka vom "Stadtjournal", einer unabhängigen Hamburger Videoprojektgruppe, von seinen Erlebnissen in der Haft. Auch wenn es der Willi-Bredel-Gesellschaft in den letzten 20 Jahren immer wieder gelungen ist Veranstaltungen mit Zeitzeugen durchzuführen, so wird das zunehmend schwieriger, weil ihre Zahl am Schwinden ist. Daher ist dieser Film für uns heute eine der wenigen Möglichkeiten, so etwas wie den Live-Auftritt eines Zeitzeugen noch einmal zu erleben. Warnke war Mitglied der Bredelgesellschaft. Er galt in Fuhlsbüttel und Langenhorn als eine Institution, die sich bis ins hohe Alter immer wieder zu Wort gemeldet hat, sei es zu aktuellen Themen, mit eigenen Publikationen oder im Sinne der Erinnerungsarbeit.

Das Lager Wittmoor war Hamburgs erstes KZ, dessen Wachmannschaften noch aus regulärer Polizei bestanden. In dem im September 1933 eröffneten Konzentrationslager Fuhlsbüttel herrschte aber schon der Terror der SS-Wachen. Das KolaFu war erst der Hamburger Justizverwaltung und dann formell der Polizei unterstellt. Himmler sprach daher offiziell verharmlosend vom „Polizeigefängnis Fuhlsbüttel", ab 1936 war der zutreffende Begriff eigentlich „Gestapogefängnis". Trotzdem hat sich der Begriff KolaFu für diesen Ort des Schreckens eingebürgert. Bis 1935 waren fast alle Häftlinge, die hier gequält, gefoltert und oft in den Tod getrieben wurden, Kommunisten. Später kamen dann auch vermehrt andere Opfergruppen ins KolaFu - Juden, Ostarbeiter, Mitglieder internationaler Widerstandsbewegungen, Menschen aus dem St. Pauli-Milieu, Angehörige von ethnischen Minderheiten, Bürger, die wegen eines politischen Witzes denunziert worden waren, Jugendliche der Swing-Bewegung, Zeugen Jehovas u.a. 

Das Hamburger Landgericht wies 1962 während des Mordprozesses gegen den stellvertretenden Lagerkommandanten Dusenschön nach, dass der Angeklagte  Misshandlungen an Häftlingen „mit Peitschen, Ochsenziemern, Koppeln und Stuhlbeinen in viehischer Weise" begangen hatte. 

Helmuth Warnke äußerte auf der Kundgebung am 27. Februar 1983 vor dem Torhaus am Suhrenkamp: Wenn junge Menschen heute erfahren, dass Fuhlsbüttel zwölf Jahre bestanden hat und die Behandlung der politischen Gefangenen immer unmenschlicher gehandhabt wurde, können sie sich vielleicht vorstellen, warum wir Ehemaligen dieses Torhaus das "Tor zur Hölle" nennen. Diese Straße hier hat nicht länger verdient, dass sie den Namen Suhrenkamp trägt, sie müsste längst "Golgatha-Straße" heißen.


Fr. 23. November
19 Uhr


Einlass 18:30 Uhr
Eintritt 4 €
WBG-Mitglieder 3 €
Beide Abende 5 €


Szenenbild aus 
"Stärker als die Nacht". 
Regisseur Slatan Dudow
(Bild unten)

Stärker als die Nacht
DEFA-Spielfilm s/w 1954 
Regie: Slatan Dudow

Darsteller: Wilhelm Koch-Hooge und Helga Göring in den Hauptrollen

Der 1903 in Bulgarien geborene Regisseur Slatan Dudow war schon 1927/28 an Erwin Piscators Theater in Berlin tätig, lernte Eisenstein auf einer Studienreise nach Moskau kennen und gehörte zum Arbeitskreis um Bertolt Brecht. Er drehte 1931/32 den ersten proletarisch-revolutionären Film Deutschlands: „Kuhle Wampe“.   

Stellvertretend für das Schicksal tausender Antifaschisten stellt er in „Stärker als die Nacht“ die Geschichte des kommunistischen Hamburger Arbeiters Hans Löning und seiner Frau Gerda dar. Löning geht nach der Machtübergabe an Adolf Hitler in den Untergrund, wird verhaftet und kommt für sieben Jahre ins Konzentrationslager. Trotzdem ist er nach seiner Entlassung nicht etwa gebrochen, sondern organisiert eine Widerstandsgruppe, die mit Sabotage und Flugblatt-Aktionen gegen das faschistische Regime kämpft. Parallelen zu den Männern der Hamburger Widerstandsorganisation Bästlein-Jacob-Abshagen, deren Mitglieder sich 1940 teils nach langjähriger Haft im KZ Sachsenhausen in Hamburg zusammenfanden, sind selbstverständlich gewollt. Weil der Film aber nicht historische Personen nachbildet, sondern exemplarisch deren Widerstand darstellt, kann er sich - ohne allzu pathetisch zu wirken - die Freiheit leisten agitatorisch für den gesellschaftlichen Gegenentwurf zum Kapitalismus und Faschismus, für den Kommunismus zu werben. Die Menschen im Film kämpfen also nicht „nur“ gegen ein verbrecherisches Regime, sondern darüber hinaus für eine weiter gefasste positive Zukunftsperspektive.  

Klaus Wischnewski schrieb in der Deutschen Filmkunst, Berlin/DDR, Nr. 6, 1954: (…) Dieser Film enthält Bilder, die mit bezwingender Kraft der Idee des Filmes dienen, Bilder, in denen die ganze Anklage gegen den Faschismus und die menschliche Größe seiner Gegner eingefangen sind. Das beste Beispiel dafür sind drei Szenen aus dem Konzentrationslager: Ein Kunstwerk für sich (…) 

Auch wenn das KZ Fuhlsbüttel (KolaFu) im Film namentlich nicht dargestellt wird, so ging doch der Weg vieler Hamburger Widerstandskämpfer über Fuhlsbüttel an andere Orte des Schreckens oder in den Tod und passt daher zu unserem diesjährigen Thema.  


15. Fuhlsbüttler Filmtage
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Veranstaltungsort:
Grüner Saal
Im Grünen Grunde 1
22337 Hamburg
direkt am U-/S-Bahnhof Ohlsdorf
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